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Die Behandlung von chronischen Wunden

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Die Behandlung von chronischen Wunden
Wundheilung
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Die Versorgung von chronischen Wunden

 

Zur Geschichte des Wundversorgung

 

Wundversorgung anno dazumalSeit der Antike ist die Wundbehandlung in Lehrbüchern beschrieben. Der römische Arzt Galen, Leibarzt des Kaisers Marcus Aurelius, hatte bei der Behandlung von Gladiatoren, die in der Arena verletzt worden waren, bereits die Behandlung von Wunden erforscht. Von ihm sind uns 108 Arten von Wundverbänden überliefert. Bei den frühen griechischen und römischen Verbandstechniken handelte es sich um kunstvolle Bindetechniken mit in Rotwein getränkten Verbandstoffen.

Ziel dieser Wundversorgung war gemäß den Lehren der antiken Medizinern (Galen, Hippokrates, Plinius) das Austrocknen der Wunden.

Im 18ten Jahrhundert entwickelte sich die Forschung in der Wundheilung sprunghaft. Nach Auswertung der Erfahrungen mit von Skorbut befallenen Matrosen erarbeiteten die Mediziner Erkenntnisse über den Einfluss der Ernährung auf die Wundheilung. Bei Seeleuten, die regelmäßig Vitamin C in Form von frischem Obst zu sich nahmen, zeigte sich eine Besserung der Wunden.

Alternative Wundauflagen wurden entwickelt. Aus den Schwimmblasen von Fröschen wurden Folien zur Wundauflage hergestellt. Weitere Wundauflagen aus Nitrocellulosewolle die aus Alkohol und Äther hergestellt wurden, erwiesen sich als hochgiftig und entzündlich und konnten sich nicht weiter durchsetzen.

Ein Durchbruch bei den modernen Wundauflagen zeigte sich im frühen 20. Jahrhundert mit der industriellen Herstellung von Baumwolle. Die nun zur Flüssigkeitsaufnahme fähige Baumwolle verdrängte die Textilfasern als Grundstoff für Kompressen. Weiterhin galt als Ziel der Wundbehandlung das Trockenlegen der Wunde.

Im Jahre 1962 wurde die moderne feuchte Wundversorgung durch Prof. Winter begründet. Er konnte nachweisen, dass die feuchten Wundverbände gegenüber den traditionellen Methoden zu einer schnelleren Wundheilung führten. Entsprechend den unterschiedlichen Heilungsphasen der Wunde kommen heutzutage verschiedene Wundauflagen zur Anwendung.

 

Zur Wundheilung


 
Es gibt zwei Formen der Wundheilung:

Bei der primären Wundheilung kommt es durch eng aneinander liegende Wundränder ohne Infektion und mit einem Minimum an Bindegewebe zu einer feinen Narbe (z.B. Wundverschluss mittels Hautnaht.)

Bei der sekundären Wundheilung klaffen die Wundränder auseinander. Der Gewebedefekt muss langsam mit einem Wachstumsgewebe wieder aufgefüllt werden, um anschließend mit Hautzellen gedeckt zu werden . Chronische Wunden sind sekundär heilende Wunden. Am häufigsten kommen sie als chronische Unterschenkelgeschwüre bei arteriellen und venösen Durchblutungstörungen , sowie beim Diabetes vor. Bei der Zuckerkrankeit kommt es neben der Schädigung der großen und kleinen Gefässe auch zur Schädigung der Nerven, so dass die Betroffenen die Läsionen am Fuß zu spät bemerken.
 
Stadien der Wundheilung: 

Bei einer chronischen Wunde versucht der Organismus die Wunde zu verschließen, um sich vor Wasser und Wärmeverlust zu schützen und eine Austrocknung zu verhindern. Dabei wird das ursprüngliche Gewebe nicht wieder ersetzt, sondern es erfolgt ein Defektverschluss durch Narbengewebe.
 
Die Wundheilung lässt sich dabei in 3 verschiedene Phasen einteilen.
  • In der ersten Phase von Tag 1 bis 3 kommt es zu einer Rötung der Wundränder mit Schwellung und Schmerzen des Gewebes, die Temperatur im Wundgebiet ist erhöht.
  • In der zweiten Phase von Tag 4 bis 7 kommt es zur Einwanderung von Bindegewebszellen und Bildung von Wachstumsgewebe.
  • In der dritten Phase von Tag 8 bis 28 kommt es zur Ausbildung von Bindegewebsfasern die sich in Narbengewebe umwandeln. Vom Wundrand aus bilden sich neue Hautzellen, durch Narbenkontraktion verkleinert sich die Wunde.



Prinzipiell kann die Wundheilung in jeder Phase gestört werden. Eine Wunde die trotz Bemühungen nach 6 Wochen noch keine Abheilung zeigt, wird als chronische Wunde bezeichnet.
 

Viele Erkrankungen können die Wundheilung negativ beeinflussen. Hierzu zählen:
 
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Arterielle und venöse Durchblutungsstörungen
  • Chronische Bindegewebserkrankungen
  • Erworbene oder angeborene Immundefekte
  • Zinkmangel
  • Vitamin C und Vitamin A Mangel
  • Infektionen
  • Austrocknung
  • Kälte


Stadiengerechte Wundversorgung:


 
Verschiedene hochmodrne WundauflagenBei der lokalen Wundbehandlung erfolgt zunächst eine Wundreinigung. Diese kann entweder durch chirurgische Maßnahmen in Narkose oder enzymatisch mit Bindegewebe auflösenden Salben erfolgen.

Eine Sonderform stellt die Madentherapie dar.

Da Maden nur abgestorbenes Gewebe auflösen und verdauen gibt es steril gezüchtete Maden, die unter klinischen Bedingungen in eine Wunde gebracht werden um dort abgestorbenes Gewebe aufzunehmen. Diese Therapie ist absolut schmerzlos und wird auch als biochirurgische Wundheilung bezeichnet.
 

Neben der Wundreinigung ist die Infektbeseitigung ein wichtiges Ziel. Die Wunden werden mit antiseptischen Wundspülungen behandelt. Antiseptische Silberauflagen sind ebenfalls in der Lage, die Bakterienzahl zu verringern. In schweren Fällen müssen auch Antibiotikainfusionen verabreicht werden.
 

Nach der Wundreinigung und Infektbeseitigung schließt sich die feuchte Wundbehandlung an. Hier kommen Algenpräparate, Wasser- und Schaumgelverbände sowie Folienverbände zur Anwendung.
 

VakuumpumpeEine Sonderform der Folienverbände ist die sog. Vakuumtherapie. Hier wird die Wunde mit einem Kunststoffschwamm aufgefüllt und mit einer Folie luftdicht abgeklebt. Anschließend wird über eine Vakuumpunpe ein Dauersog angelegt, so dass die Wundsekrete permanent abfließen können. Gleichzeitig kommt es durch diese Therapie zu einem starken Reiz zur Bildung von Wachstumsgewebe.
 

Da diese Verbandsmaterialien sehr teuer sind, besteht leicht der Verdacht, dass es sich um eine sehr unwirtschaftliche Therapie handelt. Zwar sind die Kosten pro Verband deutlich teurer, jedoch müssen diese aufwendigeren Verbände  nur alle 3 bis 4 Tage gewechselt werden, so dass die Therapiekosten unter dem Strich geringer ausfallen.

 

In der Gefäßchirurgie des Diakonissenkrankenhauses Rotenburg besteht ein großer Erfahrungsschatz in der Behandlung chronischer Wunden. Sämtliche Wundversorgungen einschließlich der Madentherapie und Vakuumpumpentherapie werden angeboten. Mit der diabetischen Fußambulanz der Inneren Medizin besteht eine enge Kooperation. Sowohl die ambulante, als auch die stationäre Behandlung ist möglich.
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